Heute schon gescheitert?
Vom 15. Juli bis zum 20. August 2026 ist unsere diesjährige Ausstellung im Foyer des IG-Farben-Gebäudes auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt zu sehen. Die Eröffnungsfeier findet am 15. Juli um 18 Uhr statt.
Kuratiert von den Studierenden des Kurses „Ausstellungspraxis“ und angeleitet von Timo Gertler (Museum für Kommunikation) wurde die Ausstellung innerhalb eines Semesters entwickelt. Sie zeigt: Scheitern ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Es ist die Voraussetzung für Entwicklung, Erkenntnis und Veränderung, denn ohne den Versuch, der vielleicht auch mal misslingt, bleibt alles so, wie es ist.
In einer Welt, die auf Effizienz und Leistung getrimmt ist, gilt Scheitern schnell als Makel, als etwas, das man am besten verschweigt. Dein Herz rutscht in die Hose, der Plan gerät ins Wanken und plötzlich wird Dir klar, dass Du gescheitert bist. Dieses Gefühl kennen wir alle und trotzdem sprechen wir selten darüber.
Neun Türen zum Scheitern
Die Ausstellung führt durch neun thematische Stationen, die zeigen, wie unterschiedlich Scheitern sein kann:
Wer schon einmal Lampenfieber hatte oder vor Publikum sportliche Erfolge suchte, kennt das Gefühl aus der Station zur Arena des Scheiterns. Dort geht es um das Scheitern im Rampenlicht, etwa als Roberto Baggio 1994 im WM-Finale den entscheidenden Elfmeter verschoss, oder als Simone Biles sich 2021 in Tokio aus dem Wettkampf zurückzog. Beide Momente wurden zunächst als Niederlage verstanden aber später anders bewertet.
Die Station Scheitern im großen Stil erzählt beispielhaft von Projekten, die im XXL-Format danebengingen: von der Spanischen Armada, über den Schiefen Turm von Pisa spannt sich der Bogen bis zum Berliner Flughafen BER, der über Jahre zum Symbol deutscher Fehlplanung wurde, bevor er heute zu den meistgenutzten Flughäfen des Landes zählt.
Überraschend wird es bei Zum Glück gescheitert: Der Super-Klebstoff, der einfach nicht richtig kleben wollte, wurde zum Haftnotizzettel. Ein Medikament gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde zu Viagra. Und ein vergessenes Bakterienschälchen brachte Alexander Fleming auf die Spur des Penicillins. Die Wissenschaft nennt das Serendipität – den glücklichen Zufall, etwas zu finden, das man eigentlich gar nicht gesucht hat.
Nicht minder eindrücklich: die Station zu verkannten Genies. Vincent van Gogh verkaufte zu Lebzeiten kaum ein Bild. Ada Lovelace erdachte 1843 das erste komplexe Computerprogramm der Welt – für eine Maschine, die jedoch nie gebaut wurde. Lise Meitner erklärte als Erste die Kernspaltung, während der Nobelpreis 1944 allein an ihren Forschungspartner ging. Ihre Geschichten zeigen: Scheitern bedeutet manchmal nicht, falsch zu liegen – sondern zu früh recht zu haben.
Weitere Stationen widmen sich der gesellschaftlichen Stigmatisierung des Scheiterns, der Psychologie, mit den Prozessen, die im Gehirn ablaufen, wenn etwas misslingt, sowie dem Scheitern in Kunst und Wissenschaft – vom Sturz des Ikarus bis zu Karl Poppers Idee der Falsifikation.
Mitmachen ausdrücklich erwünscht!
Die Ausstellung bleibt nicht beim Lesen und Schauen stehen. An einer Feedbackstation können Besucher*innen ihre eigenen Geschichten auf Zettel schreiben und an die Pinnwand heften – lustige, ernste, große und kleine Erzählungen des Scheiterns. Ein Bildschirm zeigt kurze gefilmte Statements von Studierenden darüber, wie Scheitern sich auf dem Campus anfühlt und an einer Touchscreen-Station lässt sich an einer Umfrage zum Thema Scheitern teilnehmen. Wer es ruhiger mag, kann in ausgelegten Büchern mehr über das Phänomen des Scheiterns erfahren.
Vernissage
Los geht‘s am 15. Juli 2026 um 18 Uhr mit der Vernissage im Foyer des IG-Farben-Gebäudes. Der Eintritt ist wie während der gesamten Laufzeit frei.
Am Ende der Ausstellung steht ein kurzer Satz, der von Samuel Beckett inspiriert ist und zum Motto der ganzen Schau geworden ist: Es lohnt sich, es noch einmal zu versuchen – und dabei ein bisschen besser zu scheitern als beim letzten Mal.
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Ausstellung: Schöner Scheitern
15. Juli – 20. August 2026
Foyer des IG-Farben-Gebäudes, Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt
Eintritt frei